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Windhaags Geschichte

Die Geschichte von Windhaag bei Perg ist eng mit dem Leben des Selfmade- und Lebemanns im 17. Jahrhundert, Graf Joachim Enzmilner, und dem seiner Tochter, der Nonne Eva Magdalena, verbunden.

Wenn die Teilnehmer des ASVÖ Alpine Österreich Mountainbike Grand Prix den Garten der Burgruine von Windhaag durchqueren, werden sie kaum Zeit dafür haben, sich vorzustellen, dass hier vor 300 Jahren eines der schönsten und prachtvollsten Schlösser Österreichs gestanden hat. Sieben Jahre nach seiner Fertigstellung war es auch schon wieder verschwunden. Und dafür sind weder Kriegswirren, noch schlimme Naturkatastrophen verantwortlich.

Winthag im Machland. Aber von Beginn an: Erstmals urkundlich erwähnt wurde Windhaag im Jahre 1287 als "Winthag im Machland". Die Brüder Heinrich und Freitel von Windhaag aus dem "Geschlechte derer von Fridhalmsdorf" begründeten 1290 das Geschlecht der Windhaager. Höchstwahrscheinlich hat es die Burg aber auch schon vorher gegeben. Hans von Au, das Rittergeschlecht der Tanpecken und die Laßler Prager hießen über die Jahrhunderte "die Herren" auf der Burg Windhaag. Im 16. Jahrhundert hatte es sich bereits zur ausgedehnten Grundherrschaft entwickelt.

Selfmade-Man des 17. Jahrhunderts. 1636 kaufte Joachim Enzmilner das Schloss als "einfachen gotischen Verteidigungsbau, nicht sehr groß, aber doch wohnlich", wie es in der Beschreibung des Schlosses bei Kauf hieß. Enzmilner war ein echter Emporkömmling und Selfmademan, was in seiner Zeit recht ungewöhnlich war: 1600 in Babenhausen in Schwaben geboren, brachte er es in der Zeit der Gegenreformation vom Juristen, also Bürgerlichen, bis zum Reichsgrafen von Windhaag. Der ehrgeizige Enzmilner war getrieben von der Vorstellung, ein Werk zu schaffen, das die Zeiten überdauern sollte. Mit diesem seinen Streben verhalf er dem Schloss Windhaag zu einer Blütezeit, die jedoch nur kurz währen sollte: Er ließ direkt vor dem alten Schloss einen ausgedehnten prunkvollen Neubau im Renaissancestil errichten, der um 1648 vollendet war. Das neue Schloss barg wertvolle Kunst- und Münzsammlungen und eine große Bibliothek, die 1656 bereits 22.000 Bände umfasste.

Priorin des Klosters in Windhaag. Weit weniger auf weltliche Freuden, Besitztümer und Prunk aus war Enzmilners einzige Tochter, Eva Magdalena. Vom feudalen Lebensstil ihres Vaters angewidert, wurde sie gegen seinen Willen Nonne und trat in den Dominikanerinnenorden in Tulln ein. Erst nach 16 Jahren kehrte sie gemeinsam mit drei Nonnen und zwei Pater nach Windhaag zurück. Der Vater verzieh ihr den Ungehorsam und richtete für sie und ihre Mitschwestern und -brüder ein Kloster im alten Schloss ein. 1668 wurde Eva Magdalena erste Priorin des Klosters.

Brunnen verkauft. Nach dem Tod ihres Vaters 1678 erbte Eva Magdalena das Schloss. Sie ließ das neue Schloss Windhaag und das nahe gelegene Schloss Pragtal abtragen mitsamt den vielen prächtigen Malereien, Anlagen und Brunnen. Viele der Kostbarkeiten wurden verkauft. Deshalb sind Brunnen aus dem Schloss heute auf dem Stadtplatz in Steyr, auf dem Marktplatz in Königswiesen und selbst in einem Bauernhof in Ebelsberg zu bewundern. Nur das alte Schloss, die heutige Burgruine Windhaag, blieb von den Plänen der ehrgeizigen Priorin verschont. Dagegen ließ Eva Magdalena auf dem gegenüberliegenden Hügel, dem heutigen Ortskern von Windhaag, ein neues Kloster samt Klosterkirche aufbauen. 1689 zog die Priorin mit 14 Chor- und fünf Laienschwestern von der alten Burg in das neue Kloster ein. Als sie 1700 starb, war von den Reichtümern ihres Vaters kaum mehr etwas vorhanden. Der überwiegende Teil war verbaut und verschenkt worden. Wenige Monate nach Eva Magdalenas Tod schlug ins Kloster ein Blitz ein, das anschließende Feuer zerstörte große Teile. 1782 wurde das Kloster aufgehoben.

Geschichte begehbar. Ab dem 18. Jahrhundert war das alte Schloss mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben. Erst im Jahr 1990 kaufte die Gemeinde Windhaag die Burg- und Schlossruine vom Domkapitel Linz. Seit 1992 arbeitet eine Arbeitsgemeinschaft mit Unterstützung von Freiwilligen an der Erhaltung des alten Gemäuers. "Die Ruine wird so weit wieder aufgebaut, dass sie gefahrlos besichtigt werden kann", so der Obmann der Arbeitsgemeinschaft, Ing. Friedrich Schmidtbauer. So ist der Turm (Burgfried), der einen wundervollen Ausblick auf Windhaag und seine nähere Umgebung ermöglicht, für Besucher bei freiem Eintritt ganzjährig begehbar.

Museum in Altenburg. Wer noch mehr über die Geschichte des Schlosses Windhaag und Graf Joachim Enzmilner erfahren möchte, sollte dem Museums in Altenburg einen Besuch abstatten (Samstag, Sonn- und Feiertag von 10 bis 17 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten gegen Voranmeldung.) Weiters gibt der Kulturparcours Aufschluss über Leben und Schaffen von Joachim Enzmilner. Eine virtuelle Tour durch Kirchen und das alte Schloss Windhaag kann man zudem unter www.enzmilner-kulturwanderweg.at machen.

Bürgergarde. Weitere historische Sehenswürdigkeiten in und um Windhaag sind die Pfarrkirche Windhaag (die ehemalige Klosterkirche), die Heimatstube der Goldhaubengruppe, die Kalvarienbergkapelle Windhaag und Altenburg, die Hubertuskapelle, das Hochgrab Joachim Enzmilners in der Kirche zu Münzbach, außerdem Kirche, Gruft und Museum in Altenburg sowie die Waffenkammer der Bürgergarde. Auch diese geht auf letztlich auf Graf Joachim Enzmilner zurück: Vor 335 Jahren verfügte der Graf, die Waffenbestände der Rüstkammer im Schloss Windhaag zur allfälligen Verteidigung zu gebrauchen. Die damit verbundene Ausrüstung einer Schlosswache im Jahr 1662 gilt somit als Gründungsjahr des daraus entstandenen Bürgerkorps.

Wiedergründung 1981. 1785 wurde außerdem ein Schützenkorps gegründet. Deren Uniformierung bestand aus alten Jägerhüten, den so genannten "Korsehüten". Die Federbüsche waren bei der Musik und bei den Tambours Weiß und bei den Schützen Schwarz. Die Kleidung der Offiziere bestand aus einem Waffenrock und einer weißen Hose, sie wurde später in graue Hosen mit roten Streifen abgeändert. 1938 löste das NS-Regime das Bürgerkorps auf, Uniformen und Waffen mussten abgegeben werden. 1981 erst wurde die Bürgergarde neu gegründet, derzeit zählt das Bürgerkorps 65 Mitglieder und fehlt bei keinem großen Fest in Windhaag bei Perg.

www.windhaag-perg.at